Heinrich Joseph An
meinen Freund .....
Ultsch
1779
- ? 1.
Früh war ich, blutend von des Schicksals Schlägen,
In stillem Gram durch’s Leben hingegangen.
Umsonst begann ein glühendes Verlangen
Nach manchen Freuden sich in mir zu regen.
Der Sehnsucht quoll kein Fünkchen Trost entgegen.
Mein Himmel war von Schauern rings umhangen,
Die Aussicht trüb, so weit die Blicke drangen,
Und weinend irrt’ ich hin auf dürren Wegen.
Doch während einst die Tränen niederbebten,
Erblickt’ ich, wie von Göttern hingegossen
In goldne Blumenauen, eine Quelle,
In deren reiner, spiegelgleicher Helle
Von neuem sich des Frohsinns welke Sprossen
In meiner Brust empor zu heben streben!
2.
Gesegnet war von nun an mir die Stelle,
Wo ich der Freude Kleinod aufgefunden,
Und früh und spät vertraut’ ich meine Wunden
Zur milden Heilung der geliebten Quelle.
In Morgenrothes goldgeschmücter Helle
War bald des Herzens grause Nacht verschwunden,
Und Hoffnung trug in hochbeglückten Stunden
Auf weichem Arm mich zu des Himmels Schwelle.
Der Blümchen an der Quelle mich zu freuen,
Ich pflückte mir, durchglüht von heißem Danke,
Wohl viele aus den schwesterlichen Reihen
Und netzte sie, wenn sie zu bleichen drohten,
Besorglich mit dem wundersamen Tranke,
Den mir der Quelle sanfte Welle boten!
3.
Im Sturm der Zeit, in banger Ahnungsschwüle,
Wenn Kraft und Muth in wildem Kampf erlagen,
Da lehrte mich die Quelle duldend tragen,
Und stärkte mich mit labevoller Kühle.
In ihrem Rauschen, ihrem Wellenspiele
Ertrank mein Gram, verhallten meine Klagen,
Und jeder Sinn sog seliges Behagen
Und jede Nerve hohe Lustgefühle.
Und dieser Quell, dem ich so viel verdanke,
Bist du, mein Freund, du Leitstern meiner Jugend!
O könnt’ ich stets in deinem Licht mich spiegeln,
Und möchte mir, wenn ich im Guten schwanke,
Dein Vorbild auf der steilen Bahn der Tugend
Noch längerhin den regen Muth beflügeln!
Heinrich Joseph Wahrheit
und Glauben
Ultsch
1779
- ? Heil
dem, der Wahrheit fiorscht und sonder Grauen
Der Wahrheit zeugt, wo immer er sie findet,
Der sich nicht knechtisch an die Thoren bindet,
Die hochmuthtrunken auf Phantome bauen,
Und der mit reinem kindlichem Vertrauen
Da, wo in Zweifeln der Verstand erblindet,
Dem Glauben folgt, den Gott in ihm entzündet,
Um seiner Wege hehre Spur zu schauen!
Dort an dem Born der Weisheit und der Liebe
Wird sich, wenn einst des Lebens Träume schwinden,
Vor seinem Blick die Nebelbinde heben.
Dort wird er helle, was ihm hier noch trübe,
Dort ärmlichklein des Menschen Wissen finden
Und jubeln, daß er gläubig sich ergeben!
Heinrich Joseph Das
Blümchen der Unschuld
Ultsch
1779
- ? Ein
Blümchen steht im bunten Schöpfungssaale,
Von Farbe weiß und wunderbar geschmückt.
Sein Blüthenkelch, den nie der Sturm zerknickt,
Sprießt für und für in gleichem Schönheitsstrahle.
Es grünt und prangt auf Höhen wie im Thale,
Und wie erfüllt von Götterkraft, erquickt
Sein holder Duft den Wandrer, der es pflückt,
Und süßt den Trank aus herber Todesschale.
Und doch, Vielmanche geh’n so kalt und eilig
Bei ihm vorüber, weil den eitlen Thoren
Sein reiner Schmuck zu kahl und dürftig scheinet.
Bang steht die Unschuld, der das Blümchen heilig,
Am Lebenspfad, wo im Genuß verloren
Der tolle Schwarm einher sich treibt, und weinet!
Heinrich Joseph An
einen Dichter
Ultsch beim Auszuge in den
Befreiungskrieg von 1814
1779
- ?
Was du so oft im holden Lied besungen,
Was lang und tief in deinem Innern ruhte,
Das Hochgefühl für’s Heiligste und Gute
Hat nun auch dich dem großen Kampf errungen.
Für Gott und Freiheit ist dein Schwert geschwungen,
Für Menschenwohl siehst du mit frohem Muthe
Dem Tod in’s Aug’, bereit mit deinem Blute
Das Joch zu lösen, das die Welt umschlungen.
Wohlan, so tritt denn freudig in die Glieder
Der tapfern Schaar, von gleichem Geist entzündet!
Dein Genuis wird dir zur Seite fechten,
Und dankend werden deine freien Brüder
Einst zu dem Lorber, der dein Haupt umwindet,
Den Eichenkranz dir in die Locken flechten!